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Verpflichtender Smart-Meter-Rollout beginnt im Januar

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Berlin (energate) - Nach jahrelanger Verzögerung rückt der offizielle Startschuss für den Smart-Meter-Rollout näher. Die dritte Zertifizierung eines Gateways ist für den 19. Dezember angesetzt, wie energate aus dem Kreis der beteiligten Unternehmen erfuhr. Aller Voraussicht nach wird das Zertifikat an die EMH Metering aus Mecklenburg-Vorpommern gehen. Das Unternehmen hatte sich bereits Hoffnungen auf das zweite Zertifikat gemacht (energate berichtete). Dieses wurde aber im Herbst an die Firma Sagemcom Dr. Neuhaus verliehen (energate berichtete). Das erste Zertifikat hatte der Hersteller PPC vor einem Jahr erhalten. EMH selbst wollte die bevorstehende Zertifizierung nicht kommentieren.

Markterklärung im Januar

Der verpflichtende Einbau der Geräte beginnt mit der sogenannten Markterklärung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Diese erfolgt nach energate-Informationen im Januar. Ab dem Tag der Markterklärung haben die grundzuständigen Messstellenbetreiber drei Jahre Zeit, um zehn Prozent der Pflichteinbauten abzuarbeiten, danach weitere fünf Jahre für 100 Prozent. Das heißt, sie müssen bei allen Verbrauchern über 6.000 kWh Stromverbrauch intelligente Zähler einbauen, so sieht es das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende aus dem Jahr 2016 vor. Bei Kunden mit geringeren Stromverbräuchen ist der Einbau optional. Eigentlich sollte der Rollout schon 2017 starten. Er verzögerte sich aber durch die langwierigen Zertifizierungsverfahren immer wieder. Verbraucherschützer und Energiebranche kritisierten diese teils heftig (energate berichtete).

Landis+Gyr nicht mehr in erster Zertifizierungsrunde dabei

Neben EMH nannte ein Mitbewerber auch die Theben AG als möglichen Kandidaten für das dritte Zertifikat. Dieser winkte jedoch ab: "Wir wissen nichts davon." Lange galt auch Landis+Gyr als aussichtsreicher Kandidat. Das Unternehmen hat sich aber nach Aussage seines Sprechers mittlerweile aus dem Zertifizierungsprozess für die erste Gateway-Generation (G1) zurückgezogen: "G1 erfüllt aus unserer Sicht nicht die Anforderungen an ein interoperables und ökonomisches System." Landis+Gyr wolle daher die G2-Zertifizierung abwarten.

Zudem könne das Unternehmen das Verfahren jederzeit wieder aufnehmen. Dass der Zertifizierungsprozess ruhe, heiße aber nicht, dass sich das Unternehmen aus dem deutschen Markt zurückzieht. Thorsten Klöpper, Geschäftsführer von Landis+Gyr in Deutschland und Österreich, ließ sich mit den Worten zitieren, sein Unternehmen werde "As-a-Service-Modelle" anbieten, die es ermöglichten, "die Spielräume im Rahmen der Preisobergrenzen optimal zu nutzen".

Neben Landis+Gyr hatten auch andere Marktteilnehmer wiederholt bemängelt, die zertifizierten Geräte der ersten Generation böten nur geringe Qualifikationen. "Die Messsysteme der ersten BSI-zertifizierten Generation können kaum mehr als klassische analoge Zähler", sagte nun auch BNE-Geschäftsführer Robert Busch zu energate. Auf dieser Basis ließen sich keine der notwendigen Geschäftsmodelle der digitalen Energiewende umsetzen. Manche Gerätehersteller sagen wiederum, weitere Anwendungsfälle ließen sich auf Basis, der in der ersten Runde geforderten Funktionalitäten problemlos programmieren.

Devolo und Discovergy rechnen mit Zertifizierung im nächsten Jahr

Weiter im Rennen um ein Zertifikat ist nach eigenen Angaben die Aachener Devolo AG. Deren Sprecher sagte auf Anfrage von energate, er gehe davon aus, dass sein Unternehmen 2020 - und zwar "später im Jahr" - die Zertifizierung erhalten werde. Discovergy-Geschäftsführer Nikolaus Starzacher hatte bereits Anfang Dezember im energate-Interview angekündigt, er erwarte die Zertifizierung für die zweite Jahreshälfte 2020 (energate berichtete). Von Mitbewerber Kiwigrid erhielt energate bislang keine Antwort, die Münchner EFR AG wollte sich auf Anfrage von energate nicht äußern. /sd/kw


Quelle: energate immo