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Zu gut für die Tonne


von Anna-Maria
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In unserer Wegwerfgesellschaft wird zumeist mehr produziert als wir tatsächlich benötigen. So landen viele Produkte im Müll, die eigentlich noch in gutem Zustand wären. Oft landen Produkte in der Tonne, weil neue Produkte geliefert wurden und so für die alten kein Platz mehr ist, Verpackungen sind leicht beschädigt oder Sonderaktionen sind beendet und die Verpackungen sind nicht mehr aktuell. In vielen Fällen ist auch das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, was allerdings nicht unbedingt bedeutet, dass das Produkt nicht mehr genießbar ist.

Aus dieser Situation heraus hat sich eine Bewegung gegründet. Menschen haben sich zusammengeschlossen und begonnen Lebensmittel aus dem Müll zu fischen. Sie betrachten das Containern als politische Aussage: Sie stellen sich bewusst gegen den Konsum und versorgen sich lieber aus Abfalltonnen, als das System der Überproduktion zu unterstützen. In den Mülltonnen der Supermärkte lassen sich zahlreiche Produkte finden, die noch gegessen werden können. Aber containert werden kann nicht nur an Supermärkten. Gärtnereien werfen Pflanzen weg, die mit ein wenig Pflege noch gerettet werden können, bei manchen Blumengeschäften kann man sich fast täglich einen schönen Blumenstrauß aus den Tonnen zusammenstellen und in Bekleidungsgeschäften landen die Reste der letzten Kollektion im Müll.

Dennoch muss beachtet werden, dass containern nicht legal ist. Erst vor kurzem hat das Bayerische Oberste Landesgericht ein Urteil bestätigt, dass zwei Studentinnen aus Olching die beim containern erwischt wurden wegen Diebstahl verurteilte. „Auch wenn die Lebensmittel eines Supermarktes in einem verschlossenen Container zur Entsorgung gedacht waren, so seien sie doch nach wie vor im Besitz des Unternehmens gewesen. Es handle sich somit um Diebstahl.“ Neben Diebstahl können beim containern auch noch andere Tatbestände zutreffen. Häufig begehen Menschen die containern Hausfriedensbruch, weil sie zuerst über Zäune oder Mauern klettern um zu den Tonnen zu gelangen. Wenn die Tonnen mit einem Vorhängeschloss abgesperrt sind und dieses aufgebrochen wird gilt das sogar als Sachbeschädigung.

Um die Müllflut in Supermärkten zu stoppen haben einige begonnen abgelaufene Lebensmittel, die allerdings noch genießbar sind, zu verschenken statt sie wegzuwerfen. Der Grund warum das nur die wenigsten Supermärkte tun ist, dass die Industrie die Genießbarkeit der Produkte nur bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum garantiert. Isst man abgelaufene Produkte liegt die Schuld bei einem selbst, es sei denn das Produkt ist schon abgelaufen bevor man es aus dem Supermarkt mitnimmt, dann liegt die Schuld bei den Supermarktbetreibern.

Auch Apps wie too good to go versuchen die Lebensmittelverschwendung aufzuhalten. Hier kann man sich für kleines Geld am Abend die Reste von Restaurants oder Supermärkten abholen. Auch manche Hotels nehmen teil, die die Reste des Frühstücksbuffets verteilen.

Esst ihr eure Lebensmittel auch mal über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus oder habt ihr schon einmal Apps wie too good to go ausprobiert?

5 Kommentare

  • annavhpl schrieb

    Interessanter Beitrag!
    Ich finde es auch Schade das nicht viel mehr Supermärkte oder Händler die Chance Nutzen, statt die Lebensmittel wegzuschmeißen, diese einfach zur Abholung zur Verfügung zustellen. Es sollte viel mehr ins Bewusstsein gelangen das es heutzutage so viele Möglichkeiten gibt Lebensmittel zu verwerten, statt wegzuschmeißen.
    Vielen ist es meist nicht bewusst das Lebensmittel auch über das Mindeshaltbarkeitsdatum hinaus noch zu genießen sind. Das ist von Produkt zu Produkt anders, darüber kann man sich ganz leicht im Internet informieren und stellt dabei erstaunliches fest.
    Wir wenden Beispielsweise den Trick an die Lebensmittel einfach einzufrieren und sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verzehren.

  • Gutshof-Ziegelhuette schrieb

    Der immer größer werdende Fachkräfte-Mangel lässt immer mehr Hotel dazu übergehen, nicht mehr "a la carte" zu kochen, sondern bei Tagungen, Feierlichkeiten und Veranstaltungen, sogar schon im normalen Restaurant-Betrieb, nur noch Büffets anzubieten. Alles was die Küche dann einmal verlassen hat, wandert entweder in den Mund der Gäste oder in die Tonne. Lassen wir nach den Gästen unsere Mitarbeiter die "Reste" essen die ansonsten entsorgt werden müssen (HACCP), muss der Arbeitgeber für die Mitarbeiter eine Mahlzeit als Sachbezug versteuern.
    So krank ist unsere Welt inzwischen!

  • Anna-Maria schrieb

    Das ist wirklich absurd! Lebensmittel die noch gut sind werden weggeworfen, weil es für die Betriebe der günstigste und einfachste Weg ist ...

  • annavhpl schrieb

    @Gutshof-Ziegelhuette wie händeln Sie denn das Thema Lebensmittelverschwendung in Ihrem Hotel?

  • JOvali schrieb

    Ich habe schon so oft abgelaufene Lebensmittel gegessen. Teilweise Joghurt der schon 4 Wochen drüber war. Es gilt sich einfach nur durch riechen und Geschmacksproben vorher zu vergewissern, dass das Produkt noch zum Verzehr geeignet ist. Bei Fleisch und Wurstwaren bin ich da vorsichtiger. Aber hier handhabe ich es wie annavhpl. Ich friere die Sachen ein, wenn ich merke, dass ich es bis zum Ablaufdatum nicht schaffe sie zu essen. Lebensmittel weg zu werfen ist für mich eine der größten Sünden! Man muss nicht nach Afrika gehen um hungernde Kinder und Menschen zu sehen. Hier in Deutschland gibt es das auch und zwar nicht zu knapp!